Singen ohne Aerosole - Gebärdenworkshop an der VHS

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Chöre können seit über einem Jahr nicht mehr gemeinsam singen. Fast alle Chöre zumindest. Denn anders sieht es für einen Gebärdenchor aus, der singt nämlich nur mit Gestik und Mimik und damit aerosolfrei.

Bernhard Barth, Chorleiter des Brandenburger Jazzchores Jampression, wollte auch endlich wieder mit seinen Chormitgliedern singen und so entstand die Idee eines Projektes mit dem Berliner Gebärdenchor. Am vergangenen Samstag trafen sich Mitglieder beider Chöre zu einem gemeinsamen Workshop in der Volkshochschule.

Auch der RBB war dabei und brachte am tags drauf am 20.06.2021 einen interessanten Beitrag dazu im RBB Aktuell. Das Video war leider nur eine Woche abrufbar.

Im Mittelpunkt stand der Song „I smile“ von Kirk Franklin. Es war einer der Songs, den der Jazz-Chor, der zur Brandenburger Musikschule "Vicco von Bülow" gehört, kurz vor dem Lockdown einstudiert hatte. Ins Deutsche und dann noch einmal in Deutsche Gebärdensprache übersetzt, studierten die Brandenburger Jampression Sängerinnen und Sänger die Gebärden von den Mitgliedern des Berliner Gebärdenchores ein. Und konnten also endlich wieder gemeinsam singen – aerosolfrei eben. Gar nicht so einfach, den englischen Text im Hinterkopf sich die deutschen Gebärden einzuprägen, zumal die Reihenfolge der Wörter durch die Übersetzung und aufgrund der Grammatik der Gebärdensprache oft anders ist. Zudem hat die Bedeutung der Mimik in der Gebärdensprache eine immense Bedeutung. Hochkonzentriert, halbwegs im Tempo des Liedes jeweils die richtigen Gebärden zu finden, sollte also insbesondere beim Text „I smile“ auch noch ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert werden.

Parallel wiederum studierten unter Leitung von Inga Lehr-Ivanov einige Mitglieder beider Chöre eine Choreographie für „I smile“ ein. Die künstlerische Leiterin/Choreographin der brandenburger Kasmet-Ballett Company hatte vor gut einem Jahr im Auftrag des Jazzchores die Choreographie für eben dieses Lied erarbeitet. Die Idee, den Song nun sowohl mit Choreographie als auch mit Gebärden einzustudieren und später mit beiden Chören gemeinsam aufzuführen, entstand jedoch erst durch das dem Corona-Lockdown geschuldete Chorproben-Verbot. Die Choreographie zu erlernen ist wiederum für die Mitglieder des Gebärdenchores eine echte Herausforderung. Da sie zum Großteil gehörlos sind, können sie den Rhythmus nicht über die Musik erfassen, sondern müssen sich an den hörenden Mittänzern orientieren.

Am Ende des Workshops gab es dann die gemeinsame Premiere: der Song wurde in Kombination aus Choreographie und Gebärden gemeinsam zusammengesetzt. Unter freiem Himmel war dann sogar das richtige Singen – mit Abstand versteht sich – wieder erlaubt.

Wann die erste gemeinsame Aufführung beider Chöre stattfinden kann, hängt davon ab, wann Chöre endlich wieder gemeinsam richtig und auch in Innenräumen proben und auftreten können. Beide Chöre hoffen aber, spätestens beim für Anfang Oktober geplanten und vom Jazzchor organisierten Chorfestival „Choreole“ im Paulikloster gemeinsam mit „I smile“ auftreten zu können.